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Nikolai Nerling ("Der Volkslehrer")

Nikolai Nerling (geboren ca. 1980) ist ein deutscher Rechtsextremist, Aktivist und ehemaliger Grundschullehrer, der vor allem unter seinem Pseudonym „Der Volkslehrer“ als Videoblogger bekannt wurde. Seine Aktivitäten und Inhalte umfassen rechtsextreme, antisemitische, völkisch-nationalistische und verschwörungsideologische Positionen. Er wird von mehreren Verfassungsschutzbehörden beobachtet und als feste Größe der digitalen rechtsextremen Szene eingestuft.

1. Werdegang und Kündigung als Lehrer

Nerling studierte Lehramt und unterrichtete an der *Vineta-Grundschule* im Berliner Ortsteil Wedding die Fächer Englisch, Sport und Musik.

Ab dem Jahr 2017 betrieb er zunehmend aktiver den YouTube-Kanal „Der Volkslehrer“. Nachdem im Frühjahr 2018 öffentlich bekannt wurde, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt und dass er im Internet Verschwörungstheorien verbreitete, den Holocaust relativierte sowie rassistische Kommentare über seine eigenen Schüler mit Migrationshintergrund äußerte, wurde er von der Berliner Schulverwaltung suspendiert und anschließend fristlos gekündigt. Seine dagegen eingereichte Klage vor dem Berliner Arbeitsgericht blieb erfolglos.

2. Ideologie und mediale Strategien

Nerlings mediale Strategie basierte anfänglich auf einer bewussten Täuschung durch das Auftreten als vermeintlich seriöser „Volkslehrer“:

  • Die Lehrer-Persona: Er inszenierte sich in seinen Formaten im altbackenen oder folkloristischen Stil als „Pädagoge der Nation“, um radikale Inhalte subtil und vermeintlich bildend zu transportieren.
  • Volksverhetzung und Antisemitismus: Seine Inhalte radikalisierten sich schnell. Er gab bekanntermaßen Holocaustleugnern (wie Ursula Haverbeck) eine Plattform, verbreitete revisionistische Geschichtstheorien und verhöhnte jüdische Mitbürger im Netz.
  • Interviews und Agitation: Er versuchte wiederholt, Politiker (darunter AfD-Funktionäre wie Stephan Brandner, der sich später distanzierte), Journalisten und Passanten unvorbereitet vor laufender Kamera zu interviewen, um sie vorzuführen.
  • Sperrung und Ausweichplattformen: Aufgrund massiver Verstöße gegen die Richtlinien zu Hassrede wurden seine Kanäle auf etablierten Plattformen wie YouTube, Twitter und Facebook dauerhaft gesperrt (Deplatforming). Nerling wich daraufhin auf eigene Webseiten, Telegram und alternative Videodienste (wie Odysee oder BitChute) aus.

3. Kriminelle Aktivitäten und Strafverfahren

Nerling stand und steht im Fokus zahlreicher strafrechtlicher Ermittlungen und wurde mehrfach rechtskräftig verurteilt. Zu den dokumentierten Delikten gehören:

Tatbestand / Vorfall Details und rechtliche Konsequenzen
Volksverhetzung in der KZ-Gedenkstätte Dachau Nerling belästigte 2019 eine Schülergruppe in der Gedenkstätte und stellte den Holocaust in Abrede. Er wurde zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt. Die Jugendlichen erhielten später den Dachau-Preis für Zivilcourage.
Sammelurteil Berlin (2022) Das Landgericht Berlin verurteilte ihn wegen Volksverhetzung, Beleidigung, Hausfriedensbruch und Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung. Das Urteil beinhaltete u. a. das Zeigen des Hitlergrußes und die Verbreitung von Holocaustleugnungen.
Überkleben von Gedenktafeln In Lüneburg überklebte Nerling Gedenktafeln zu Verbrechen der Wehrmacht mit nationalistischen Parolen und stellte die historische Faktenlage infrage (gewertet als Volksverhetzung).
Mutmaßlicher Corona-Soforthilfebetrug Die Staatsanwaltschaft Berlin erhob zudem Anklage wegen Subventionsbetrugs, da Nerling im April 2020 unberechtigt Corona-Soforthilfen in Höhe von 9.000 Euro beantragt und erhalten haben soll.

4. Aktuelle Aktivitäten und völkische Siedlungen

Nach dem weitgehenden Verlust seiner digitalen Reichweite verlagerte Nerling seine Aktivitäten zunehmend in die physische Realität der rechtsextremen Subkultur:

  • Teilnahme an Protesten: Während der COVID-19-Pandemie beteiligte er sich an den „Querdenken“-Protesten, leugnete die Existenz des Virus und war an dem versuchten Sturm auf das Reichstagsgebäude im August 2020 beteiligt.
  • Völkisch-ökologische Siedlungsbewegungen: Nerling dockte an die rechtsextreme, völkische Siedlerszene an (u. a. im Umfeld der Anastasia-Bewegung sowie dem Verein „Weda Elysia“ im Harz). Hier tritt er bei sogenannten „Heimattänzen“ und Brauchtumsfeiern auf und unterstützt Bestrebungen von Rechtsextremisten, Immobilien im ländlichen Raum aufzukaufen, um parallele Gesellschaftsstrukturen zu etablieren.

Siehe auch: Digitaler Rechtsextremismus | Verschwörungsideologien | Beobachtungsobjekte des Verfassungsschutzes

Einzelnachweise

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