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Marcant (Webvideoproduzent)
Marcant (bürgerlich Marc Keller; * 2002 in Frankfurt am Main; bis Februar 2025 auch bekannt unter den Pseudonymen Salamibroetchen bzw. Salami) ist ein deutscher Webvideoproduzent, Livestreamer, Reporter und politischer Aktivist. Er wurde deutschlandweit durch investigative Vor-Ort-Interviews auf Demonstrationen, strategische Aufklärung im digitalen Raum und seinen direkten Kampf gegen Rechtsextremismus und Faschismus bekannt.
1. Leben und Entwicklung
- Marc Keller begann seine Aktivität im Internet ursprünglich als klassischer Content Creator. Bereits ab 2021 setzte er sich kritisch mit der Online-Präsenz rechtspopulistischer und rechtsextremer Akteure (wie z. B. Teilen der AfD auf TikTok) auseinander.
- Strategiewechsel (Ende 2024 / Anfang 2025): Angesichts der zunehmenden Präsenz rechtsextremer Ideologien in den sozialen Medien und auf der Straße entschied sich Marcant, seine Vorgehensweise zu ändern. Er beschloss, direkt dort hinzugehen, „wo es wehtut“ – auf rechtsextreme Kundgebungen, Neonazi-Aufmärsche und Veranstaltungen der Reichsbürger-Szene.
2. Konzept & Arbeitsweise
Marcants Konzept unterscheidet sich stark von klassischem Berichterstattungs- oder Protestjournalismus. Seine Methodik baut auf folgenden Pfeilern auf:
2.1. Vor-Ort-Konfrontation auf Augenhöhe
- Marcant tritt auf Demonstrationen mit Kamera und Mikrofon direkt an Teilnehmende der extremen Rechten heran.
- Er vertritt die Haltung, dass das Dogma „Mit Nazis redet man nicht“ überholt sei, da extremistische Akteure längst soziale Medien und Parlamente dominieren und man sie nicht kommentarlos gewähren lassen dürfe.
- Er sucht das sachliche Gespräch ohne direkte persönliche Beschimpfungen, konfrontiert die Gesprächspartner jedoch gezielt mit historischen und wissenschaftlichen Fakten (z. B. Belegen zum Holocaust oder biologischen Fakten zu Rassentheorien).
2.2. Faktenchecks und digitale Nachbearbeitung
- In seinen Videos schneidet Marcant die Aussagen von Rechtsextremen mit sofortigen Faktenchecks und verifizierbaren Quellen zusammen.
- Verbreiten Gesprächspartner rechtsextreme Lügen oder Holocaustleugnung, blendet er im Anschluss amtliche Dokumente, historische Belege und Fachliteratur ein, um Falschinformationen direkt zu entlarven.
2.3. Rückeroberung des digitalen Raums
- Marcant analysiert gezielt die Strategien rechtsextremer Influencer auf Plattformen wie TikTok und Instagram, um deren Mechaniken zu verstehen und für Aufklärungsarbeit zu nutzen.
- Seine Community nutzt Ausschnitte seiner Videos, um Kurzclips zu verbreiten, was den Rechten den digitalen Raum auf Jugendplattformen streitig macht (Videos verzeichnen regelmäßig Millionenaufrufe).
3. Wirkung und Ausstiegshilfe
Ein zentrales Ziel von Marcants Arbeit ist es, insbesondere junge Menschen vor der Radikalisierung zu bewahren oder ihnen Wege aus der rechtsextremen Szene aufzuzeigen:
- Aussteiger-Erfolge: Durch das Veröffentlichen der Interviews geraten oft Fehlinformationen rechtsextremer Jugendlicher ins Wanken. Nach eigener Aussage sowie Berichten haben sich bereits hunderte Menschen bei ihm gemeldet, die durch seine Inhalte den Ausstieg aus der Neonaziszene geschafft oder radikale Ansichten hinterfragt haben.
- Beispiel „Felix“: In seinen Formaten begleitete er unter anderem das Gespräch mit einem jungen Rechtsextremen, der nach der Veröffentlichung des Videos und dem anschließenden gesellschaftlichen Diskurs sein Weltbild revidierte und mit der Szene brach.
4. Gefährdung und Sicherheitsmaßnahmen
Aufgrund seiner Recherchen und der Entlarvung extremistischer Strukturen ist Marcant massiven Bedrohungen ausgesetzt:
- Er wird von rechtsextremen Akteuren regelmäßig beschimpft, körperlich angegriffen und bedroht.
- Er gibt an, auf zahlreichen rechtsextremen „Todeslisten“ zu stehen.
- Um sich und sein Umfeld zu schützen, lebt Marcant weitgehend anonym, hat private Kontakte stark reduziert, persönliche Social-Media-Accounts gelöscht und mehrfach seinen Wohnort gewechselt.
5. Mediale Rezeption & Auszeichnungen
Marcants Arbeit erregte großes Interesse in den Hauptmedien und der politischen Bildung:
- Medienberichte: Es erschienen ausführliche Porträts und Reportagen über ihn, unter anderem im *ZDF* (Reihe 37 Grad Leben: „Marcant – Content gegen Rechts“), im *Tagesspiegel*, in der *taz* und bei *deutschland.de*.
- Auszeichnungen: Für sein Engagement gegen Rassismus und für den Schutz der Demokratie wurde er mit der Theodor-Heuss-Medaille (2026) sowie dem Smart Hero Award ausgezeichnet.

