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Arno Bausemer (*2. Dezember 1982 in Havelberg) ist ein deutscher Politiker der Alternative für Deutschland (AfD). Seit 2024 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments. Bausemer ist kommunalpolitisch in Stendal tätig und gehört dem AfD-Kreisverband Stendal an. Arno Bausemer – Wikipedia
Im August 2026 geriet Bausemer wegen einer körperlichen Auseinandersetzung mit zwei Jugendlichen in Stendal erneut in die öffentliche Kritik. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt bestätigte, dass gegen eine Person mit parlamentarischer Immunität wegen einer möglichen körperlichen Auseinandersetzung ermittelt wird. Medienberichten zufolge handelt es sich bei dieser Person um Bausemer. Ein Jugendlicher wurde dabei leicht verletzt. Die Ermittlungen sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht abgeschlossen. ZEIT: AfD-Wahlplakate – LKA bestätigt Angriff auf Jugendliche in Stendal
Leben und Ausbildung
Bausemer stammt aus Havelberg. Er studierte an der Universität Leipzig Journalistik und Politikwissenschaft, schloss das Studium jedoch nicht ab. Auch ein journalistisches Volontariat beim Mitteldeutschen Rundfunk wurde nicht mit einem Berufsabschluss beendet. Nach eigenen Angaben war er anschließend unter anderem journalistisch tätig und arbeitete im landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Eigene Website von Arno Bausemer – Über mich
Nach Angaben des Bürgerhandbuchs des Europäischen Parlaments war Bausemer außerdem mehr als zehn Jahre ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Magdeburg. Bürgerhandbuch des Europäischen Parlaments 2024–2029
Politische Laufbahn
Vor seinem Eintritt in die AfD war Bausemer Mitglied der FDP Sachsen-Anhalt. 2016 trat er der AfD bei. Bei der Kommunalwahl 2019 wurde er erstmals in den Stadtrat von Stendal gewählt. Dort übernahm er den Vorsitz der AfD-Fraktion. Bei der Kommunalwahl 2024 erhielt er nach Angaben der veröffentlichten Wahlergebnisse 5641 Stimmen und damit das beste Einzelergebnis aller Bewerber für den Stendaler Stadtrat. Wikipedia: Arno Bausemer
Bausemer ist beziehungsweise war außerdem stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Stendal und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaftsförderung im Kreistag Stendal. Landkreis Stendal
Bei der Europawahl 2024 zog Bausemer über die AfD-Bundesliste in das Europäische Parlament ein. Er gehört dort der Fraktion Europa der souveränen Nationen (ESN) an. Zu seinen parlamentarischen Aufgaben gehören unter anderem die Mitarbeit im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz sowie im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Europäisches Parlament – Arno Bausemer
Kritik an Angaben im Lebenslauf
Im Vorfeld der Europawahl 2024 geriet Bausemer wegen Angaben in seinem Lebenslauf in die Kritik. Unter anderem ging es um Angaben zu seiner Tätigkeit als Geschäftsführer eines Landwirtschaftsbetriebes sowie um eine angeblich abgeschlossene Berufsausbildung beim MDR.
Eine parteiinterne Prüfung der AfD kam zu dem Ergebnis, dass Angaben von Bausemer und der ebenfalls betroffenen AfD-Kandidatin Mary Khan-Hohloch nicht ausreichend zutreffend beziehungsweise belegbar waren. Der AfD-Parteikonvent rügte beide Kandidaten und verhängte eine zweijährige Sperre für Parteiämter. An der Kandidatur Bausemers für das Europäische Parlament wurde jedoch festgehalten. Tagesschau: AfD rügt Europawahl-Kandidaten wegen Angaben in Lebensläufen
Trotz der damaligen innerparteilichen Sanktion blieb Bausemer politisch aktiv und wurde 2026 erneut mit einer führenden Funktion innerhalb der AfD Sachsen-Anhalt betraut.
Vorfall um AfD-Wahlplakate in Stendal im August 2026
Am Abend des 13. August 2026 kam es in Stendal zu einer körperlichen Auseinandersetzung im Zusammenhang mit der Beschädigung von AfD-Wahlwerbung.
Nach Angaben des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt sollen zwei Jugendliche ein AfD-Wahlplakat beschädigt haben. Anschließend kam es zu einer möglichen körperlichen Auseinandersetzung zwischen den Jugendlichen und einer Person, die parlamentarische Immunität besitzt. Dabei soll ein „mutmaßliches Schlagwerkzeug“ eingesetzt worden sein. Einer der Jugendlichen erlitt leichte Verletzungen und wurde medizinisch behandelt. ZEIT: LKA bestätigt Angriff auf Jugendliche in Stendal
Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf Ermittler beziehungsweise Sicherheitskreise, bei der Person mit parlamentarischer Immunität handele es sich um den AfD-Europaabgeordneten Arno Bausemer. Als mögliches Schlagwerkzeug wurde in Medienberichten ein Baseballschläger genannt. Das LKA bestätigte den konkreten Gegenstand zunächst nicht. Süddeutsche Zeitung/dpa: Jugendlicher bei Auseinandersetzung um AfD-Plakat verletzt
Bausemer selbst schilderte den Vorgang auf seiner Facebook-Seite aus seiner Sicht. Er erklärte, das AfD-Banner sei zuvor bereits mehrfach beschädigt worden. Zusammen mit einem Parteifreund habe er die Jugendlichen auf frischer Tat erwischt. Einen der Jugendlichen habe er nach einer kurzen Verfolgung und nach dessen Gegenwehr gestellt und festgehalten. ZEIT: Darstellung Bausemers zum Vorfall
Der genaue Ablauf der körperlichen Auseinandersetzung ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Eine abschließende strafrechtliche Bewertung liegt daher noch nicht vor.
Politische und öffentliche Reaktionen
Der Vorfall löste politische Kritik an Bausemer aus. Kritiker sehen insbesondere einen Widerspruch zwischen dem Anspruch einer Partei auf Durchsetzung von Recht und Ordnung und einer möglichen eigenmächtigen körperlichen Konfrontation mit Jugendlichen.
Dabei ist zwischen zwei Sachverhalten zu unterscheiden: Die mutmaßliche Beschädigung von AfD-Wahlwerbung wäre selbst eine rechtswidrige Handlung und rechtfertigt grundsätzlich deren Verfolgung beziehungsweise eine Strafanzeige. Daraus folgt jedoch nicht automatisch eine Berechtigung zu körperlicher Gewalt. Ob Bausemers Verhalten im konkreten Fall strafrechtlich relevant war, müssen die Ermittlungsbehörden und gegebenenfalls die Gerichte feststellen. Süddeutsche Zeitung/dpa
Bewertung und Einordnung
Der Vorfall ist für Bausemer politisch besonders problematisch, weil er bereits zuvor wegen seiner Angaben im Lebenslauf parteiintern kritisiert worden war. Ein neuer Vorwurf im Zusammenhang mit einer körperlichen Auseinandersetzung kann deshalb das öffentliche Bild seiner politischen Tätigkeit zusätzlich belasten.
Aus dem Fall allein lässt sich allerdings nicht seriös ableiten, dass die AfD insgesamt zunehmend gewalttätig wird. Dafür wären belastbare Daten über einen längeren Zeitraum und eine systematische Betrachtung von Gewalt durch Parteimitglieder, Funktionäre und Anhänger erforderlich.
Gleichzeitig kann ein solcher Vorfall den Ruf einer Partei erheblich beschädigen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich der Vorwurf eines gewaltsamen Vorgehens durch einen Mandatsträger bestätigt. Für eine Partei, die regelmäßig die Bedeutung von Recht, Ordnung und der Durchsetzung staatlicher Regeln betont, wäre der Vorwurf einer eigenmächtigen körperlichen Eskalation politisch besonders widersprüchlich.
Bei Bausemer ist zudem zu berücksichtigen, dass er nicht nur kommunalpolitisch aktiv ist, sondern als Mitglied des Europäischen Parlaments ein öffentliches Mandat ausübt. Entsprechend hoch ist das öffentliche Interesse an der Aufklärung des Vorgangs.

